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Warum ist Ladungssicherung so wichtig? Ein Interview mit Polizeikommisar Jürgen Rettich

In einem Gespräch mit Polizeikommissar Jürgen Rettich vom Verkehrsdienst Laupheim konnten wir aus erster Hand erfahren, warum eine vorschriftsmäßige Transportsicherung lebenswichtig ist.

Welches sind die häufigsten Verstöße im Bereich der Ladungssicherung?

Jürgen Rettich: Die häufigsten Verstöße sind eine ungesicherte Ladung. Erkennbar unzureichend gesicherte Ladung folgt aus der Verwendung ungeeigneter und unzulässiger Zurrmittel oder die falsche bzw. verbotene Anbringung von Zurrmitteln, wie die Verwendung von verschlissenen Zurrmitteln oder zu wenig Zurrmittel. Zu beachten ist, die Sicherungskraft berechnet sich immer nach dem schwächsten Glied in der Kette.

Warum ist eine vorschriftsmäßige Ladungssicherung so wichtig/was kann passieren?

Jürgen Rettich: Ladungssicherung geht alle an, weil sich die Physik nicht betrügen lässt!
Die physikalischen Wirkungen und die damit verbundenen enormen Kräfte werden häufig unterschätzt.
Durch eine vorschriftsmäßige Ladungssicherung soll erreicht werden, dass das Ladegut durch Form- und/oder Kraftschluss mit dem Trägerfahrzeug so verbunden wird, dass es im Idealfall eine Einheit bildet.
Natürlich sind auch dieser Einheit durch Fliehkraft und Kippmomente weitere physikalische Grenzen gesetzt, die zu beachten sind. Neben einer Beschädigung des Ladegutes können durch unzureichend gesicherte Ladung weitere Schäden, bis hin zur Gesundheitsschädigung, eintreten. Hier ist bereits die Möglichkeit eines Schadenseintritts zur Erfüllung des Gefährdungstatbestandes ausreichend. Das betrifft sowohl den privaten als auch den gewerblichen Bereich, bei dem Sachen auf der Straße transportiert werden. Zu den Sachen zählen aber auch beispielsweise mittransportierte Ausrüstungsgegenstände im und am Fahrzeug.
Im privaten Bereich geht der Schaden in der Regel zu Lasten des Eigentümers, was nicht nur ärgerlich, sondern unter Umständen auch mit weiteren finanziellen Aufwendungen verbunden ist.
Im gewerblichen Bereich wird ein Schaden häufig durch Inanspruchnahme von Transportversicherungen abgewickelt.
Sollte die unvorschriftsmäßige Ladungssicherung gar zur Gesundheitsschädigung führen, kann es sich sehr schnell zu einer äußerst kostspieligen Angelegenheit entwickeln. Abgesehen davon ist die Gesundheit ein unbezahlbares Gut, was dem einen oder anderen leider erst bewusst wird, wenn es zu spät ist, sprich eine Gesundheitsschädigung mit möglicherweise bleibenden Schäden eingetreten ist oder im schlimmsten Fall sogar ein Menschenleben gekostet hat.
Die psychische Belastung, die der Verursacher zu tragen hat, steht dabei in keinster Weise im Verhältnis zur Bequemlichkeit oder gar Zeitersparnis, die durch eine Vernachlässigung der Ladungssicherung vermeintlich gut gemacht wurde. Eine vorschriftsmäßige Ladungssicherung kann auch die eigene Gesundheit und das Leben desjenigen schützen, der unverschuldet zur Not- und Gefahrenbremsung oder einem erforderlichen Ausweichmanöver gezwungen war. „Die Ladung einschließlich Geräte zur Ladungssicherung sowie Ladeeinrichtungen sind so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen können“ (Auszug § 22, Absatz 1 StVO).

Was und wie kontrolliert die Polizei?

Jürgen Rettich: In allererster Linie werden augenscheinlich auffällige Transporte einer Überprüfung unterzogen. Dazu kommen aber auch gedeckte bzw. verschlossene Fahrzeuge, deren Inhalt dann oftmals für eine böse Überraschung sorgt.
Im Rahmen von Kontrollen wird ein besonderes Augenmerk auch auf die Ladung gerichtet und dabei sind, wie es auch im Gesetzestext des § 22, Abs. 1, Satz 2 StVO verankert ist, die anerkannten Regeln der Technik zu beachten.
Dieses Regelwerk ist mittlerweile sehr umfangreich mit den hierzu ergangenen DIN EN ISO-Normen und der VDI-Richtlinie 2700 ff, auf deren Grundlage eine Überprüfung stattfindet.
Dabei stellt sich zunächst grundsätzlich die Frage, ob das eingesetzte Fahrzeug für den vorliegenden Transport geeignet ist? Hierbei sind konstruktiv bedingte Merkmale des Fahrzeugs im Zusammenhang mit der Art und Menge, sowie der Beschaffenheit des Transportgutes von entscheidender Bedeutung. Sie geben darüber Aufschluss, ob das Transportgut überhaupt entsprechend gesichert werden kann, bereits entsprechend ausreichend gesichert ist, oder ob zusätzliche Sicherungsmaßnahmen erforderlich sind. In Abhängigkeit dessen wird dann geprüft, und nötigenfalls berechnet, ob und wie die Sicherung gegebenenfalls den Vorschriften entspricht bzw. durchzuführen ist, um den Vorschriften zu entsprechen. In diese Prüfung werden die benutzten und erforderlichenfalls weiter zu verwendenden Sicherungsmittel auf Zustand, Geeignetheit und Zulässigkeit, auch was die Anbringung anbelangt, mit einbezogen. Eine beanstandete Ladungssicherung muss nötigenfalls einer gutachterlichen Prüfung standhalten. Das Ergebnis aus den Feststellungen muss als Grundlage für einen Bußgeldbescheid, eine Strafe und natürlich einer Gerichtsentscheidung geeignet sein.

Wo treten Probleme auf? Welche im gewerblichen und welche im privaten Bereich?

Jürgen Rettich: Die Probleme sind so vielschichtig, dass sie hier nur zusammenfassend, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, angerissen werden können, weil sie zumeist erst im konkreten Einzelfall individuell zu Tage kommen. Dass es sich aber um ein brennendes Problem handelt, beweisen die tagtäglichen Warnmeldungen über herumliegende Gegenstände auf unseren Straßen.
Natürlich treten immer wieder dieselben Fehler auf, welche gegen die grundlegendsten Gesetzmäßigkeiten einer normgerechten Ladungssicherung verstoßen. Dabei fällt eine Unterscheidung zwischen gewerblichen und privaten Transporten schwer. Aus der Natur der Sache dürften die gewerblichen Transporte eher im Vordergrund stehen.Seit der Einführung der Berufskraftfahrer-Qualifikation, die alle fünf Jahre durch den Erwerb eines Nachweises erneuert werden muss, hat sich im gewerblichen Bereich zwar einiges gebessert, dennoch wird mit dem Thema Ladungssicherung noch viel zu sorglos umgegangen, in Anbetracht dessen, dass mit dem Transport Geld erwirtschaftet wird.
Im privaten Bereich dürfte das Verständnis hierfür geringer sein, was sich im Rahmen von Beanstandungen häufig durch Argumente widerspiegelt, die nachweislich jeglicher Grundlage entbehren. So werden Fahrzeuge zum Transport verwendet, die weder dazu geschaffen noch jemals dazu geeignet sein werden, die Ladung den Vorschriften entsprechend aufzunehmen, weil es ihnen an den grundlegendsten Konstruktionsmerkmalen, um überhaupt eine geeignete Sicherung anbringen zu können, fehlt.
Geeignete, oder auch inzwischen neue, auf dem Markt frei zugängliche, Sicherungsmittel werden nicht konsequent angewendet. Der Anteil an verwendeten ablegereifen Sicherungsmitteln zeigt aber auch, dass mit diesen nicht bestimmungsgemäß umgegangen wurde. Die folglich entstehenden Investitionen durch häufig notwendige Ersatzbeschaffungen werden nicht getätigt.
Alles in allem könnte die Bereitschaft zur fachlichen Beratung und Umsetzung viele Unannehmlichkeiten ersparen, denn eine individuelle Fracht erfordert ein individuelles Fahrzeug und individuelle Transporte erfordern individuelle Transportlösungen.
Daraus resultierend ergibt sich ständig vor Ort das Problem, dies den Betroffenen plausibel und nachvollziehbar zu vermitteln.

Welche Strafen drohen?

Jürgen Rettich: Sanktionen sind nicht nur solche, die sich auf ein Verwarnungs- bzw. Bußgeld beziehen, sondern auch erforderliche Maßnahmen zur Herstellung eines ordnungsgemäßen Zustandes, was zwangsläufig mit einer Untersagung der Weiterfahrt verbunden ist, bis eine vorschriftsmäßige Ladungssicherung erfolgt ist. Das kann dann im geringsten Fall von einer Behebung vor Ort bis zur Um-, Ent- und Neuverladung mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Der bundeseinheitliche Tatbestandskatalog sieht für fahrlässig begangene Verstöße im geringsten Fall ein Verwarnungsgeld in Höhe von 35 Euro vor. Wenn es sich beim beanstandeten Fahrzeug um einen Lastkraftwagen und/oder dessen Anhänger handelt, und dazu zählen auch privat genutzte Fahrzeuge zur Güterbeförderung, liegt der Bußgeldsatz bei fahrlässiger Begehung bei 60 Euro. Dazu kommt 1 Punkt im Fahrerlaubniseignungsregister. Die Fahrzeugart richtet sich, neben weiteren Merkmalen zur Beschaffenheit, nach den Daten in der Zulassungsbescheinigung. Es wird hauptsächlich unterschieden zwischen Fahrzeugen zur Güterbeförderung und solchen zur Personenbeförderung. Sollte es sich um eine Beförderung von - und im Zusammenhang mit - Gefahrgut handeln, an die besondere Anforderungen gestellt werden, beträgt das Bußgeld mehrere hundert Euro für die jeweils Beteiligten. Neben dem bislang möglicherweise schon betroffenen Personenkreis aus Fahrer, Halter, Verlader und Beförderer ist hier der Personenkreis nochmal erweitert. Wenn sich ein Transportmittel sogar als völlig ungeeignet zum Transport des Ladegutes erweist, kann eine Vermögensabschöpfung die Folge sein. Das bedeutet, dass der komplette Frachtpreis, neben dem Ausfall und der Beschaffung eines geeigneten Ersatzfahrzeugs durch den Unternehmer, von der Bußgeldstelle eingezogen wird. Das kann dann auch bis zu mehreren tausend Euro Verlust bedeuten. Wenn durch die unvorschriftsmäßige Ladungssicherung Personenschaden entsteht, oder weitere Straftatbestände erfüllt werden, drohen sogar Haftstrafen für die Beteiligten.

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